Wichtel

Die Wichtelin oder der Wichtel an sich ist in der dritten oder vierten Klasse und wohnt in der Freien Schule im mittleren Flur, sprich zwischen den Trollen und Zwergen. Zuerst ist alles noch neu, so als frischer Drittklässler. Nach einer Gleitzeit geht für alle Wichtel gegen acht Uhr dreißig der Unterricht los.

Es wird mehr und häufiger geschrieben. Es gibt Rechtschreib- und Grammatikübungen und freie Themen. Geschichten schreiben mit Storyboard ist immer wieder ein großer Renner. Die Drittklässler entdecken den Tausenderraum, die Viertklässler die Millionen, dazu Geometrie, schriftliche Rechenverfahren und Mathe im Alltag. Das 1x1 soll auswendig gekonnt werden, und Englisch gibt es jetzt auch spielerisch schriftlich. Kunst und Mathe wechseln sich ab, es gibt Angebotszeiten und viele kleine und größere Projekte. Da es zwar einen Stundenplan, aber keine Pausenglocke gibt, können Mathe und Deutsch gut in solche Projekte gepackt werden.

Daneben gibt es noch das wichtige Fach Thema. In der Regel wählen die Wichtel zu Beginn des Halbjahres mehrere Themen, und die mit den meisten Stimmen werden realisiert. Unsere Themen beinhalten praktisches und theoretisches Arbeiten. Das erste Thema in diesem Halbjahr war z.B. Früchte. Da haben wir Obst gesammelt und viele Marmeladen eingekocht, sind auf den Markt gegangen und haben tolle Gemüsegerichte ausprobiert. Einige Dinge haben wir dann gemeinsam behandelt, z.B. was überhaupt eine Frucht ist oder wie eine Blüte bestäubt wird und daraus dann eine Frucht wächst. Dann hat sich jeder Wichtel ein Unterthema ausgesucht, wie exotische Früchte oder Beeren, und dazu eine Mappe erarbeitet.

Und dann gibt es da noch einige immer wiederkehrende Arbeitsphasen. Irgendwann im ersten Halbjahr machen die Drittklässler ihren Füllerführerschein und die Viertklässler ihren Fahrradführerschein. Außerdem gibt es für die Viertklässler noch den PC-Führerschein. Im Frühjahr werden die Wichtel wieder beim Solarbootrennen mitmachen, Theorie und Praxis. Was ist überhaupt Strom oder Solar, und dann müssen natürlich Boote gebaut werden. Es gibt übrigens auch Förderzeiten, bis zu drei Mal wöchentlich, für die, die mehr gefordert werden müssen. Manche mehr und manche weniger.

Das alles hört sich jetzt an, als wenn die Wichtel immer nur arbeiten und lernen. Weit gefehlt. Es gibt nämlich reichlich Freizeit und einige Besprechungen über die kleinen und großen Sorgen des Wichtellebens, soziales Lernen nennt sich das. Es hat sich herausgestellt, dass in der Wichtelzeit „Zicken“ und „Sandkastenrocker“ am heftigsten trainieren: wer bestimmt, wer hat das letzte Wort, wann werden Erwachsene pampig oder wie ärgere ich andere Kinder? Kürzer ausgedrückt, bei den Wichteln werden phasenweise gerne Grenzen ausgelotet. Alles ganz normal.

PS: In der Weihnachstszeit wichteln die Wichtel.